Long/ Post-Covid und ME/CFS – mehr als nur Müdigkeit

Was wir wissen und was wir tun können 

Prof. Dr. phil. Dr. med. Dipl. Psych. Andreas Remmel

Therapie-Centrum Im Kurpark, Bad Mergentheim

Ort:  Kursaal, Lothar-Daiker-Straße, Bad Mergentheim

Dienstag, 23.06.2026, 19.30 – 21.00 Uhr
Long/ Post-Covid und ME/CFS – mehr als nur Müdigkeit?

Die Covid-Pandemie hat bei vielen Betroffenen zu chronischen körperlichen und mentalen Folgen geführt: Atemnot unter Belastung, Kurzatmigkeit, Energiemangel, Konzentrationsstörungen und Gedächtnisproblemen, v.a. aber chronischer Müdigkeit  und rascherer Erschöpfbarkeit (Fatigue).

Mit Fatigue wird ein Energiemangel beschrieben, der das gewohnte Leistungsvermögen eines Menschen massiv beeinträchtigt. Wenn es nach einer körperlichen oder psychischen Anstrengung zu einer langanhaltenden Verschlechterung der Energielosigkeit kommt, sprechen wir auch von einer „post-exertional malaise (PEM)“.

Die Forschung zu COVID und Long/Post COVID hat ein Schlaglicht auf eine schon länger bekannte, bis dato aber wenig erforschte Krankheit, die Myalgische Encephalomyelitis/Chronic Fatigue-Syndrom (ME/CFS) geworfen, ein seit 1969 von der WHO als neurologische Erkrankung eingestufter Symptomkomplex, der eine große Überlappung mit Long Covid-Symptomen hat.

Häufig beginnt ME/CFS nach einer (meist viralen) Infektionskrankheit, etwa durch das Epstein-Barr-Virus oder SARS-CoV-2. Betroffene leiden unter einer schweren Fatigue, Schmerzen und Schlafstörungen, zusätzlich finden sich verschiedene neurokognitive, immunologische und neurokognitive Symptome, sowie Regulationsstörungen des autonomen Nervensystems.

Daneben kann es andere Gründe für eine chronische Müdigkeit geben, etwa ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (OSAS), chronische Müdigkeit nach onkologischen Therapien, wie Chemotherapie oder Bestrahlung, oder auch bei Depressionen.

Die genauen Mechanismen der ME/CFS sind bisher nicht vollständig bekannt.

Durch eine vorschnelle Psychologisierung und pauschalierende Kategorisierung dieses eigenständigen und komplexen Krankheitsbilds als „burnout“ oder Depression fühlten sich viele von ME/CFS Betroffene missverstanden und stigmatisiert.

Forschungsarbeiten der letzten Jahre deuten bei ME/CFS auf eine mögliche Autoimmunerkrankung, auf immunologische, neuronale und gefäßbedingte Veränderungen, sowie eine schwere Störung des Energiestoffwechsels, hin.

Die unbefriedigende Nachricht: bislang gibt es keine zugelassene und evidenzbasierte Therapie dieser Erkrankung. Es werden zwar inzwischen viele forschungsbasierte Behandlungsversuche unternommen, es gibt aber auch einen wachsenden Markt fragwürdiger pseudowissenschaftlich propagierter Ansätze.

Der Vortrag versucht einen systematischen Überblick zu geben, was wir gegenwärtig zu Long Covid und ME/CFS wissen, insbesondere zu Kernsymptomen, pathophysiologischen Hintergründen und bisher etablierten sowie derzeit in der Diskussion stehenden Behandlungsansätzen.